Künstler*innen

Selina Baumann

Selina Baumann (*1988, Wattwil) setzt sich vorwiegend mit einem Material auseinander: der Keramik. Schon im Bachelorstudium Bildende Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste erprobte sie beharrlich den Umgang mit dem zuweilen widerspenstigen Material und vertiefte 2011–2014 ihre künstlerische Praxis mit einem Masterstudium Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Baumanns skulpturalen Arbeiten, denen oft Zeichnungen vorausgehen, ist häufig ein Nachdenken über ‹Skulptur› als Gattung implizit; so experimentiert die Künstlerin je nach Ausstellungskontext mit dem Material sowie mit unterschiedlichen Formen des Displays.
Während Baumanns frühe Arbeiten vorwiegend figürlich waren und explizit Themen wie Körperlichkeit oder Sexualität untersuchten, wurden ihre Plastiken im Verlauf der Zeit zunehmend abstrakter. Noch immer lassen sich in Baumanns Œuvre Spuren von Lebewesen oder Pflanzen ausmachen, aber zwischen organisch anmutende Elemente schieben sich vermehrt geometrische Komponenten – die in die Höhe wachsenden ‹Körper› nehmen nun bisweilen architektonische Züge an und versperren sich eindeutigen Zuschreibungen. Die Oberflächen der Figuren sind je nach Werkgruppe geschuppt, gerillt, glattgestrichen und/oder glasiert, was die sinnliche Anziehungskraft der äusserst eigenständigen Arbeiten unterstreicht. Selina Baumann lebt und arbeitet in Basel.
 

Nino Baumgartner

Nino Baumgartners (*1979, Jegenstorf) Arbeit nimmt vielgestaltige Formen an: In seiner künstlerischen Praxis sind Skulpturen, Videos und Performances, die der Künstler selbst ‹Maneuver› nennt, vertreten. Baumgartner verwebt dabei gekonnt Materialien, die vornehmlich im Bereich der Outdoor-Aktivitäten anzusiedeln sind («Karabinerhaken» oder «reflektierende Paracord») oder militärische Termini («Manöver») mit Verweisen auf die Kunstgeschichte wie Ferdinand Hodlers Berglandschaften.
Der an der Hochschule der Künste Bern ausgebildete Künstler umkreist dabei oft die Frage, wie sich uns heute Natur präsentiert: Er sucht die (sogenannte) Natur an den Rändern von Grossstädten und befragt dabei eigene und gesellschaftliche Vorstellungen von Natur, die oft von einem romantischen Bild geprägt sind, dem die Realität nicht mehr entspricht, weil der Natur durch den Menschen eine massive Umgestaltung widerfahren ist. Häufig spielt Balance in Baumgartners Werken eine zentrale Rolle, und zwar einerseits ganz physisch, wenn der Künstler Gegenstände oder sich selber ins (oder aus dem) Gleichgewicht bringt, andererseits klingt darin auch das prekäre Gleichgewicht an, in dem sich Mensch und Natur im Zeitalter des Anthropozäns befinden. Nino Baumgartner lebt in Bern.
 

Alex Dorici

Alex Dorici (*1979, Lugano) schloss in den Disziplinen Malerei und Kupferstich an der Accademia di Belle Arti Aldo Galli in Como ab. Im Jahr 2005 zog er nach Paris, wo er bis 2010 im renommierten Atelier Contrepoint arbeitete. Das Atelier, das für seine innovative Verwendung von Farben in der Graviertechnik bekannt ist, prägte den stilistischen Ansatz des Tessiner Künstlers. Seinen Ausdruck fand er im Element der Linie. Zurück in Lugano (2010), zeichnet sich Alex Dorici mit seiner innovativen Kunst aus, die ihre Wurzeln in der Urban Art hat. Der Künstler baut die Geometrien von Räumen um. Durch ein Vokabular aus industriell gefertigten Materialien – insbesondere Klebeband und Seil – baut er optische Architekturen in  Umgebungen, die oft in Vergessenheit geraten sind. Neben dem «Scotch Drawing» – Werke aus Klebeband-Linien, die ganze Stadtfassaden umgestalten – überträgt er die Haltung der urbanen Kunst in die klassische Gattung der Malerei und Installation. Alex Dorici lebt und arbeitet in Lugano.

 

Sonja Feldmeier

Sonja Feldmeier (*1965, Zürich) lebt und arbeitet in Basel und an wechselnden Orten weltweit, so in Panama, Berlin, New York, Los Angeles, Tokio, London, Delhi und Kolkata. Sie arbeitet mit Malerei, Airbrush, Fotografie, Video und Audio, entwickelt Objekte und komplexe Installationen.
Ihre zahlreichen Aufenthalte auf verschiedenen Kontinenten bilden eine wichtige Ressource für ihr Werk. Auf ihren Reisen entsteht ein umfangreiches Foto-, Video- und Audioarchiv, das als Material für ihre Arbeiten dient. In raumgreifenden narrativen Settings mit multimedialen Arbeiten stellt Sonja Feldmeier Fragen nach Identitäten und Zuschreibungen, nach der Migration von Menschen, Dingen und Zeichen. Ihr Interesse gilt Kommunikationsprozessen und Konstruktionsmodellen, in ihren Arbeiten untersucht sie, wie sich Wertsysteme und Bedeutungsmuster in Bildern manifestieren.

 

Asi Föcker

Asi Föcker (*1974, Luzern) ist Musikerin und bildende Künstlerin. Sie studierte Grafik Design an der Schule für Gestaltung Luzern. In ihrer Arbeit experimentiert sie mit Licht, Luft, Bewegung, Raum und Klang. Aushgehend von alltäglichen Gegenständen und Materialien untersucht sie diese auf ihre Eigenschaften. Sie interessiert sich für den fragilen, vorübergehenden Zustand, der in der Bewegung und Stimmung von Objekten und Situationen entstehen kann: das direkte und unmittelbare Aufzeigen von etwas Verborgenem. Dabei bewegt sie sich vorwiegend im Feld der Installation, Objektperformance, Musik und Fotografie, welche sich in einer ständigen Transformation befinden. Asi Föcker lebt in St. Gallen.

 

Zilla Leutenegger

Nach dem Besuch der Handelsschule in Chur und der Textilfachschule in Zürich hat sich Zilla Leutenegger (*1968, Zürich) an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich in Bildender Kunst spezialisiert und arbeitet nun unter anderem als Assistentin am Architektur-Departement der ETH Zürich.
Mit räumlich-installativen Arbeiten, Zeichnungen und Druckgrafiken rekonfiguriert die Bündner Künstlerin Momente der alltäglichen Realität und lässt den Zuschauer häufig sich in einer privaten Dimension wiederfinden. Indem sie Zeichnungslinien mit der Aktion der Videoprojektion vereinigt, verleiht Zilla Leutenegger monotonen Momenten aus der Alltäglichkeit eine neue dynamische Poetik und Leichtigkeit. Mit leeren, imaginären Settings oder realen Atmosphären mit einer einzelnen Person – zuweilen auch der Künstlerin selbst – thematisiert Zilla Leutenegger nicht ohne Humor das Dasein in der Gegenwart. Nach «Video Arte Palazzo Castelmur» (2013 und 2015) und «Arte Catasegna» (2018) arbeitet sie zum dritten Mal mit Progetti d’arte in Val Bregaglia zusammen. Zilla Leutenegger lebt in Zürich.

 

Noha Mokhtar & Lucas Uhlmann

Noha Mokhtar (*1987, Genf) und Lucas Uhlmann (*1989, Biel) arbeiten seit 2014 zusammen und entwickeln parallel zu ihrer individuellen Arbeit und Forschung in den Bereichen Kunst, Anthropologie, Industriedesign und Architektur eine gemeinsame künstlerische Praxis.
Noha Mokhtar und Lucas Uhlmann haben beide einen Abschluss der ECAL (2011), und zwar in visueller Kommunikation respektive Industriedesign. In Verbindung mit ihrer künstlerischen Praxis, die hauptsächlich Fotografie, Installation und Objekte umfasst und von ethnografischen Forschungsmethoden inspiriert ist, promoviert Noha Mokhtar derzeit in Sozialanthropologie an der Harvard University in den Vereinigten Staaten. Materielle Ausdrucksformen verschiedener sozialer Kontexte stehen im Mittelpunkt ihrer Arbeit, die sich mit der Beziehung von Räumen und Objekten zu sozialen und politischen Fragen sowie verschiedenen Formen der Macht befasst.
Neben seiner Arbeit als freiberuflicher Designer und Bühnenbildner schafft Lucas Uhlmann immersive Installationen, die partizipatorische Umgebungen schaffen. Uhlmann ist Gründer von iiode, einem Unternehmen, das sich auf Lichttechnologie und -design spezialisiert hat. Er ist zudem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Departement für Architektur der EPFL in Lausanne. Seit 2015 entwickeln die beiden, ausgehend von einem künstlerischen Aufenthalt in Ägypten, gemeinsam eine langfristige Forschung in Kairo und den umliegenden Wüsten, zu deren materiellen Manifestationen das Banio-Projekt gehört.
Noha Mokhtar lebt und arbeitet in Zürich und Boston. Lucas Uhlmann lebt und arbeitet in Lausanne.

 

Patrick Rohner

An der Kunstakademie in Düsseldorf und in den ersten Jahren nach dem Umzug ins Glarnerland pflegt Patrick Rohner (*1959, Rothenthurm SZ) eine abstrahierende Landschaftsmalerei. Seine Bilder gestaltet er mittels angedeuteter Horizontlinien und Diagonalen sowie eines dynamischen, breiten Pinselstrichs. Patrick Rohners Werke sind Resultate einer intensiven Auseinandersetzung mit Mitteln und Substanz, Bildträgern und Farbe. Aufmerksam und über längere Zeiträume hinweg beobachtet er Landschaftsräume. Die mit Fotografie und Super-8-Kamera dokumentierten Naturmechanismen sind indes nicht Inspiration fürs Motiv, sondern für die Gestaltungsmöglichkeiten einer prozesshaften Bildfindung: Rohner untersucht, vorwiegend in Malerei und Zeichnung, physikalische Prozesse mittels eigens entwickelter Techniken, schöpft deren Möglichkeiten auf dem Bildträger aus, reflektiert die Erkenntnisse und entwickelt sie stets weiter. Dabei entsteht ein stringentes und mehrschichtiges Werk, das neue Wahrnehmungsräume eröffnet. Nach «Video Arte Palazzo Castelmur» (2015) arbeitet er zum zweiten Mal mit Progetti d’Arte in Val Bregaglia zusammen. Patrick Rohner lebt in Rüti (GL).

 

Roman Signer

Roman Signer (*1938, Appenzell) absolvierte eine Lehre als Bauzeichner, bevor er in Zürich und Luzern die Kunstgewerbeschule besuchte und später an der Kunstakademie in Warschau studierte. Mit seinen «Ereignissen» und Installationen arbeitet Roman Signer seit den 1970er Jahren an einer Neudefinition der Skulptur. Signer bezieht Zeit, Beschleunigung und Veränderung mit in den skulpturalen Prozess ein und erkundet die Möglichkeiten des Mediums. Der Künstler interessiert sich für energetische Prozesse oder «Ereignisse», wie sie sich in seinen inszenierten Aktionen manifestieren. Mit Konsequenz vertritt Roman Signer einen Werkbegriff, der die Idee des dreidimensionalen, unveränderbaren Objekts verlässt und Zeit als vierte Dimension in die Gestaltung einbezieht. Nach «Arte Hotel Bregaglia» (2010-2013) und «Arte Albigna» (2017) nimmt Roman Singer zum dritten Mal an der Kunstereignissen von Progetti d’Arte in Val Bregaglia teil. Roman Signer lebt in St. Gallen.

 

Not Vital

Not Vital (*1948, Sent) ist ein vielseitiger Künstler, der von der Skulptur über die Zeichnung, die Malerei bis hin zur Druckgrafik und Architektur die verschiedenen Gattungen in sein komplexes und vielfältiges Werk integriert. Vitals Ausdrucksformen zeugen von einem offenen Geist gegenüber den unterschiedlichsten kulturellen Umgebungen. Der Künstler lässt sich von lokalen Traditionen und Handwerkstechniken inspirieren, die er auf seinen vielen Reisen entdeckt und die sich in seinem künstlerischen Schaffensprozess niederschlagen. Davon zeugt beispielsweise, dass der Künstler für die Herstellung seiner Skulpturen – seit Anfang der 1980er-Jahre eine von Vitals bevorzugten Kunstformen – verschiedenste Materialien verwendet, von kostbar bis hin zu alltäglich.
Im Werk des Künstlers spiegelt sich also einerseits eine grosse Affinität zu verschiedensten Kulturen, andererseits ist auch die starke Naturverbundenheit Vitals darin verankert: Die Bündner Alpenlandschaft manifestiert sich oft in Motiven von Bergen oder Schnee in Vitals Œuvre.
Nach «Arte Hotel Bregaglia» (2012 und 2013) arbeitet Not Vital zum zweiten Mal mit Progetti d’Arte in Val Bregaglia zusammen. Not Vital lebt in Peking, Rio de Janeiro und Sent.

 

Anita Zumbühl

Anita Zumbühl (*1975) aufgewachsen in Nidwalden, lebt und arbeitet in Luzern. Ihre künstlerische Auseinandersetzung ist geleitet von Intuition und der Neugier, Dinge zu erforschen. Sie bedient sich eines reichen Material-, Text- und Bilderfundus und experimentiert mit Werkstoffen oder Arbeitsprozessen. Zumbühl arbeitet mit Textil, Objekt, Installation und Performance. Thematisch kreisen ihre Werke oft um die Situierung des Menschen in oder gegenüber der Natur und untersuchen (vermeintliche) Divergenzen und Überlappungen von Natur und Kultur oder dem Mensch-Gemachten, dem Künstlichen und dem Natürlichen. Natur schreibt sich in Zumbühls Arbeiten also einerseits thematisch, andererseits physisch ein: Die Künstlerin arbeitet mit Materialien aus der Natur oder lässt die Natur im Arbeitsprozess zur Komplizin werden, wenn sie Textilien mit Hilfe von Wind und Wetter färbt. In dieser Komplizinnenschaft ist sie auch bereit ein Stück weit die Kontrolle über die Ergebnisse des Arbeitsprozesses abzugeben – Zumbühl reflektiert dadurch auch die Rolle der Künstlerin.

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